Wie Grantz betonte, war es die Bedingung der Stadt beim Verkauf des Grundstücks, einen Architektenwettbewerb auszuloben und den Siegerentwurf auch umzusetzen. „Die Ergebnisse sind von hoher Qualität, die wir an dieser exponierten Stelle auch unbedingt benötigen“, hob der Oberbürgermeister, der auch Dezernent für das Stadtplanungsamt ist, hervor. Er dankte dem Investor für das Verständnis, an dieser wichtigen Stelle eine gute städtebauliche Lösung anzustreben. Das Grundstück in der Größe von ca. 7.400 m² liegt am nördlichen Rand des Neuen Hafens in Bremerhaven, zwischen Barkhausen-, Quer- und Schifferstraße und damit im Ãœbergang zwischen den Havenwelten und dem Quartier „Alte Bürger“. „Mit diesem Projekt soll der Bereich nördlich der Lloydstraße weiter verdichtet werden und einen besonderen Impuls und städtebaulichen Akzent erhalten“, erklärte Stadtplanungsamtsleiterin Carolin Kountchev.
Am Wettbewerb haben sechs Architekturbüros aus Bremen, Bremerhaven, Hamburg/Fehmarn und Zürich teilgenommen.
Den ersten Preis hat das Bremerhavener Büro schultz sievers von Cathrin Schulz und Kathrin Sievers erhalten. „Diese Arbeit besticht durch ihren klaren und schlüssigen Entwurf, ihre zeitgemäße Architektursprache“, betont Prof. Schomers
Den zweiten Preis sprach die Jury dem Architekturbüro Ehlers + Ehlers (Hamburg/Fehmarn) zu. Oberbürgermeister Grantz freute sich, dass in dem Wettbewerb, in dem die Arbeiten anonym eingereicht wurden, das Bremerhavener Architekturbüro „schultz sievers“ am meisten überzeugt hat. „Das zeigt, dass es gute Architektur nicht nur fern ab von uns gibt, sondern hier mitten unter uns. Das ist ein gutes Zeichen für hohe Qualität in Bremerhaven auch im Bereich Architektur.“
Hintergrund:
Entwickelt werden soll ein städtebauliches und architektonisches Gesamtkonzept für einen innerstädtischen Quartiersbaustein, der in Abschnitten umgesetzt werden kann und aus folgenden Elementen besteht:
o Verbraucher- und Biomarkt mit zusammen maximal 2.000 m² Verkaufsfläche
o Büroflächen in drei Obergeschossen
o Parkhaus für ca. 400 PKW
o Hotel mit ca. 85 Zimmern
o Entwicklung von Erschließung und Freiraum
Städtebauliche Zielsetzung
Mit der Bebauung am Neuen Hafen ist eine Vielzahl an hochwertigen Wohnungen entstanden. Weitere Wohnungen werden kurz- bis mittelfristig realisiert. Zur Sicherung der Versorgungsqualität für die bereits vorhandene und die zukünftige Wohnbevölkerung soll auf dem Grundstück „Alte Feuerwache“ ein Nahversorgungszentrum entstehen. Mit dem neuen Nahversorgungszentrum soll auch eine Versorgungslücke in fußläufiger Entfernung für die Wohnbevölkerung rund um den Bürgermeister-Martin-Donandt-Platz geschlossen werden.
Für die Realisierung des Nahversorgungszentrums bietet sich die Fläche östlich der Barkhausenstraße, südlich der Querstraße (ehemalige Feuerwache) an, die zurzeit als geschotterte Parkplatzfläche genutzt wird und die sich im Eigentum der BEAN befindet. Dieser Parkplatz wird sehr stark frequentiert. Es gibt Wartelisten mit Interessentinnen und Interessenten, die als Anliegerinnen und Anlieger bzw. Beschäftigte in dem Areal Dauerparkplätze anmieten möchten.
Auf dem gesamten Grundstück „Alte Feuerwache“ (7.421 m²) sollen u. a. ein Verbraucher- und Biomarkt sowie eine viergeschossige Parkgarage mit rd. 400 PKW-Stellplätzen errichtet werden. Das Einzelhandelsgutachten der Stadt Bremerhaven hat für den Bereich der Nahversorgung (Lebensmitteleinzelhandel) eine Obergrenze für die Verkaufsfläche von 2.000 m² festgelegt.
Erschließung
Planungsüberlegungen zu einem zeitnahen Umbau der Barkhausenstraße zwischen Lloyd – und Querstraße für eine befriedigende Verkehrsführung für Fußgänger und Radfahrer erfordern eine geringfügige Anpassung des Grenzverlaufs des Planungsgrundstücks. Der Grundstückszuschnitt ist an den zukünftigen Ausbau des Geh- und Radweges an der Barkhausenstraße anzupassen. Von hier aus sollen die Verkaufsflächen des Nahversorgungszentrums erschlossen werden. Für die Andienung (Ver- und Entsorgung) dieser Flächen wurden in der Auslobung geeignete Vorschläge erwartet.
Weiter sollte berücksichtigt werden, dass die gewünschte Zufahrt zum Hotelparkplatz sowie die Andienung des Hotels von der Barkhausenstraße und nicht von der Schifferstraße oder nur mit einer Schrankenanlage für Rettungsfahrzeuge realisiert wird, um keine gewerblichen Verkehre in die Wohnlage Schifferstraße zu ziehen.
Das Parkhaus soll von der Querstraße aus erschlossen werden. In dem Parkhaus sollen neben den für das Bauvorhaben notwendigen Stellplätzen sowie den aus bestehenden Baulasten weiterhin abzusichernden 134 KFZ-Stellplätzen möglichst noch zusätzliche, öffentlich nutzbare Stellplätze vorgehalten werden.
Sowohl die Querstraße als auch die Barkhausenstraße sollen für den Fußgängerverkehr aufgewertet werden. Die Schifferstraße ist als wichtige Grün- und Wegeachse Richtung Innenstadt geplant.
Jurybegründung:
1. Preis: schultz sievers architektur BDA (Cathrin Schulz und Kathrin Sievers, Bremerhaven)
Nach Meinung der Jury ist die Anordnung und Gliederung der Märkte sehr gelungen, die Zugänge zu den Märkten und Büros haben über die Arkade eine gute Adresse. Die Stellplätze sind sehr gut angebunden, die Anzahl im EG aber noch zu gering. Die Andienung von der Querstraße sollte ohne rückwärtiges Rangieren geplant werden, also eher parallel zum Gebäude. Die klare Bürostruktur und sparsame Erschließung mit nur einem Treppenhaus wird positiv gewürdigt, ebenso die gut gegliederten Fassaden als Gegenüber zu den Neubauten am Neuen Hafen. Die geschlossenen ungegliederten Flächen im EG können nicht ganz überzeugen und sollten überarbeitet werden. Insgesamt liefert diese Arbeit aber einen sehr schlüssigen und klaren Beitrag zur gestellten Aufgabe.
2. Preis: Ehlers + Ehlers (Jan Peter Ehlers, Hamburg/Fehmarn)
Für die Jury sind die beiden Märkte schlüssig aufgebaut, die vorgelagerte Arkade liefert eine gute Erschließung für die Märkte und Büros. Die Zuordnung von Stellplätzen (PKW und Räder) zu den Märkten ist plausibel. Die Typologie der Büroflächen ist ungewöhnlich und wenig flexibel, lässt sich aber mit einfachen Mitteln anpassen. Die kommunikativen Flächen des grünen Innenhofs lassen ein gutes Binnenklima für die Büroflächen erwarten, auch die Erschließung des Parkhauses von den Büroflächen über den Hof wird gewürdigt. Die Fassaden zur Barkhausenstraße und die Einbindung der Hotelfassade (2 Geschwister) werden anerkannt, dagegen ist die Parkhausfassade zu kleinteilig und stark gegliedert. Die Fluchtweglängen im Parkhaus sind leicht überschritten.
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